Brückenbauer zwischen „menschlichen Inseln“ gesucht

Mit der Fähigkeit, Brücken zwischen „menschlichen Inseln“ zu bauen, verglich die Sprachwissenschaftlerin Debbie Coetzee-Lachmann am Montagabend in der Familienbildungsstätte vor rd. 30 interessierten Zuhörern die gewaltige Integrationsleistung, die angesichts der vielen Flüchtlinge in den kommenden Jahren auf unsere Gesellschaft wartet. „Wir Deutschen schaffen das!“, daran ließ sie angesichts der den Deutschen nachgesagten Fähigkeiten allerdings auch keinen Zweifel. Die den Deutschen eigene geistige Auseinandersetzung mit Problemen, die immer wieder gefundenen nachhaltigen Lösungen, die Erinnerung an die schmerzhaften Erfahrungen in der eigenen Geschichte und das uns umgebende Sozialsystem seien beste Voraussetzungen für die Lösung dieser Aufgabe.

Zugleich warb sie um Verständnis für die Andersartigkeit der zu uns gekommenen Menschen und für die darin liegende Chance,  unser Selbstverständnis mit dem der anderen zu vergleichen und  zu überdenken. Das Selbstverständnis der Menschen und die darauf aufbauende Kommunikation seien die Baustoffe, mit denen man den „ Brückenbau“ zu den Flüchtlingen meistern könne.

Um diesen „Brückenbau zwischen den menschlichen Inseln“ beginnen zu können müsse man die Unterschiedlichkeit der jeweiligen Gesellschaften erkennen. Deutlich unterscheide sich die vom Individualismus geprägt deutsche Gesellschaft mit einer hohen Selbstverantwortung und  einer Verbindlichkeit der Aussagen von den aus überwiegend kollektivistisch geprägten Kulturen kommenden Menschen. „Alleine bist Du schneller, aber gemeinsam kommst Du weiter!“, mit dieser Aussage und vielen kleinen Episoden verdeutlichte Debbie Coetzee-Lachmann die Unterschiede.

Das Lächeln sei ein emotionales Muster kollektivistisch geprägter Kulturen. Ausdruck finde dieses in einer geringer ausgeprägten Selbstverantwortung, in dem zunächst unverbindlichen Aufbau menschlicher Beziehungen und der fehlenden Bereitschaft, in Gesprächen „Kontra“ zu geben.

Die „freundliche Unverbindlichkeit“ dieser Kulturen stehe konträr zur deutschen Gesellschaft, in der man auch „genau das meine, was man sage!“ „Wenn ich in meiner südafrikanischen Heimat von Freundinnen und Freunden die Zusage habe, meine kranke Mutter zu besuchen oder mit ihr zu telefonieren, so meldet sich vielleicht eine oder einer bei ihr. Wenn ich in Deutschland die Zusage von Freunden und Freundinnen habe, melden sich gleich alle!“, machte Debbie Coetzee-Lachmann den Unterschied deutlich.

Als eine wichtige Rahmenbedingung für das gegenseitige Verständnis machte Debbie Coetzee-Lachmann den Sprachunterricht aus. Sie lobte Deutschland für die schöne, differenzierte und verbindliche Sprache, kritisierte zugleich aber auch die mangelhaft ausgestattete Unterrichtung von Erwachsenen.

Um Missverständnissen zwischen Deutschen und Flüchtlingen zu begegnen, empfahl sie, den Flüchtlingen immer wieder unser Verständnis zu erläutern: „Wir machen das in Deutschland so, weil …!“ Gleichzeitig forderte sie aber auch von den Flüchtlingen Verantwortung für deren Integration. Sie müssten neugierig darauf sein, „wie die deutsche Gesellschaft tickt!“

Um die Integration erfolgreich zu beginnen, sei  es notwendig, sowohl in der deutschen Gesellschaft wie auch unter den Flüchtlingen Menschen zu identifizieren,  die die jeweils andere Seite verstehen, verstehen lernen wollen und gleichzeitig bereit sind, „Brücken zwischen den menschlichen Inseln zu bauen“.

Mit den Anregungen zum „Ankommen in Deutschland“ von Debbie Coetzee-Lachmann begann die Vortragsreihe des Lenkungskreises „Flüchtlingsarbeit Kirchen/Caritas“, die bis in den Herbst hinein den Ehrenamtlichen Anregungen und Mut für die Integrationsarbeit  geben soll. Mit dem Thema „Miteinander – in guter Nachbarschaft“ setzt die aus Rheine stammende und im „Café-Welcome in Trier“ arbeitende Gisela Lohmöller die Vortragsreihe am Dienstag, 12. April 2016, 19:30 Uhr, im Paulushaus der Pfarrei St. Dionysius, An der Stadtkirche, fort.